Staunen

März 30, 2017

Drei unterschiedliche und doch zeitgeistig betrachtet ähnliche Figuren trafen sich heute in Lemgo auf dem Marktplatz in einem Eiscafé. Leicht ist zu erahnen, wer einer der drei Personen, alles Männer, war. Ungewöhnlich, dass drei Männer, alle über 40, gegen 11.30 Uhr Zeit hatten, sich rund eine Stunde über den Weltenlauf auszutauschen? Platon gab uns mit auf den Weg: „Zuviel Freiheit endet immer in der Unfreiheit.“ Hatten wir zu viel Zeit und Freiheit und wie frei sind wir?

Hier nun entsteht der Versuch, den vielen Worten, gesprochen im Eifer und ohne Drogen gepusht, eine Richtung, wenigstens einen Ertrag abzuverlangen. Helfen soll dabei Botho Strauss. Ihm entliehen habe ich Denkmodelle und Entschlüsselungsmotive.

Machen wir es konsumierbar. Ich wähle eine Aufzählungsform.

1. Wir staunen zu wenig. Ob es am mangelnden Sprachverständnis liegt? Definiere Staunen.

2. Es ist eine Illusion, dass der digitale Mensch, jederzeit vernetzt und bereit, seinen Fokus nach außen zu lenken, weiter denkt als früher. Womöglich kommt sich der Einzelne sogar später auf die Schliche. Schön, dass alle drei Protagonisten, zwei davon mit Hund an der Leine, während der 60 Minuten kein einziges Telefont am Handy führten, nicht mal eine SMS bekamen.

3. Der Instinktersatz „Technik“ funktioniert nicht. Wir haben es immerhin geschnallt.

4. Wir alle sind mehr oder weniger davon überzeugt, dass rund herum geschäftige Ahnungslosigkeit herrscht. Das ist politisch nicht korrekt, aber politisch korrekt zu sein, ist der Beginn auf dem Weg zum Spießer. Das wollen wir alle drei nicht. Keinesfalls.

5. Das Denken befreit nicht vom Tun. Getreu dem Motto: „Denken ist wie Googlen, nur krasser.“ Oder: „Tun ist wie Denken, nur krasser.“

6. Wird das Erreichen je ausreichen? Einer der drei Männer hat damit komplett abgeschlossen. Stand heute, März 2017, ….. es gebe nichts zu erreichen. Auch nicht zu arbeiten, allenfalls einer Beschäftigung, die Zufriedenheit einbringe, könne man nachgehen.

7. Äußerungen über die Gegenwart sagen nichts über das Naheliegende aus. Hmmh. Jeder Mensch trifft quasi täglich eine neue Entscheidung, die sich neu interpretieren ließe. Womit kaum etwas Bestand hat. Das ist ohnehin klar. Allein der Tod ist gewiss.

8. Was war das erkenntnis-ergiebigste Molekül der Unterhaltung? Mega-komplex. Aber ein Mann zahlte die Rechnung, ging und verabschiedete sich mit den Worten: „Es war mir eine Freude.“

9. Ich schlage vor, inne zu halten und die Schwingung der Verwirrung an uns ran zu lassen.

10. Uns drückt ein Mangel an Mangelempfinden. Uns fehlt es an Sinnstiftendem.

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Relative Freude

März 29, 2017

Eine Ode an die Erkenntnis.

Es gibt bedingte Freude. Sie ist vergänglich und weil sie nicht von Dauer ist, ist sie relativ. Und es gibt nicht bedingte Freude. Wo die bedingte mit Erlebnissen und Waren, Dienstleistungen, Gegenständen zu tun hat, geht es bei der absoluten Freude um die Sicht aus der der Mensch sie erlebt. Sie ahnen es: das ist anspruchsvoller. Und im Moment verhaftet. Mit was wollen wir uns identifizieren? Wir können nicht unser Auto sein, nicht unsere Fernreise. Wir können nicht mal unser Körper sein, der verändert sich auch täglich. Bisweilen zum Vorteil – optisch gesehen -, bisweilen zum Nachteil. Auf was können wir uns wirklich verlassen? Schon meine Oma sagte: „Das letzte Hemd hat keine Taschen.“ Nur ein Faktor scheint unbegrenzt: der Raum. Der Raum ist womöglich das einzige in dieser Welt, das nicht erschaffen wurde. Der Raum ist wohl auch der einzige Faktor, der sich nicht eingrenzen lässt.

Verlassen Sie sich also auf den Raum. Fragen Sie mich jetzt nicht, wie das geht. Das lässt sich nicht so einfach erklären. Es ist ein Mix von Erkenntnis, Wahrnehmung, Intuition und Bewusstsein.

Sie können es lernen. Probieren. Sie können sich auch weiter an relativen Dingen aufreiben und ergötzen. Muss jeder selbst wissen….