Außer mir nur nichts. Und bisweilen nicht mal das.

Februar 1, 2015

Ich war heute in der Sauna. Und habe einen großartigen Text gelesen, den ich inhaltlich nicht zu 100 Prozent teile, der aber eine verbale Choreografie von höchster Güte nachzuweisen wusste.
Er begann mit einer These, einer Frage: Alles ist heute gezähmt und geregelt, sogar das Streiten. Macht uns das zu besseren Menschen? Und handelte fortan von dem Ratgeberwahn in dieser Gesellschaft. Schreiben Sie einen Ratgeber wie „Jedes Kind kann schlafen“ oder „Glück – wie geht das?“ und Sie werden erfolgreich sein. Warum?

Weil diese Gesellschaft sich in Funktionszusammenhängen begreift. Weil alles und jeder optimiert wird. Werden will. Muss. Irre Wortwahl.

Weil keiner mehr einfach so streiten will. Sondern erst mal einen Ratgeber zu Rate zieht. Und ihn liest. Und ihn anwenden will. Wodurch vieles einfach weichgespült und wenig authentisch wirkt. Machen Sie sich frei von allen Ratgebern, die – wenn alle sie anwenden – zu einer riesigen Vermeidungsmaschine mutieren. Maulen Sie einfach Leute an, die Ihnen auf den Keks gehen. Und hören Sie auf, sich ständig für alles und jedes zu entschuldigen. Entschuldigen Sie einfach, wenn Sie Mist gebaut haben. Und trinken mit dem Angeranzten ein Bier. Prost. Verzeihen Sie. Aber sagen Sie um Gottes willen wenigstens, was Sie denken und fühlen. Und hören Sie, verflucht noch einmal, auf, jede Kommunikation gewaltfrei zu führen. Um sich dann abends trendige Evergreens wie „Fight Club“ reinzuziehen. Hören Sie auf, der Heuchelei zu gefallen. Werden Sie echt. Jetzt.

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