White is not the new black

April 3, 2011

Mein Leben kommt hervorragend ohne mich zurecht. Die Miete wird automatisch abgebucht, mein Handyvertrag verlängert sich von allein, meine Mülltonne wird vom Hausmeister rausgestellt. Und jedes Jahr erfindet Apple ein neues Gerät, das eine Funktion hat, die ich noch nicht hatte (Rotwein bestellen). Leben 2.0 – mein Leben ohne mich. Bin mal gespannt, ob mein Leben irgendwann mal anruft und sagt: „Alter, kannste nicht mal vorbeikommen, hier geht’s drunter und drüber. So ohne dich.“

Letzte Woche ging ich durch unsere Fußgängerzone. Und vor dem Jack & Jones war ein Spruch für die Mode von morgen zu lesen. „White is the new black“. Und ich dachte, wie beknackt ist das denn jetzt. Die Zerknirschung war von geringem Ausmaße, aber daheim dachte ich, da schreibe ich jetzt mal einen Brief an die ZEIT, damit die sich dieser ereignisverzerrten Labelwelt annehmen mögen. In einem Text. Denn Tee ist ja nicht der neue Kaffee und Rügen nicht das neue Sylt. Und überhaupt. Kann nicht mal was so bleiben wie es ist. Ich meine, nicht alles sollte grundsätzlich überdacht werden. Aber zu diesem Text wird es nicht kommen, ich las ein Interview in der ZEIT, mit Monica Lierhaus. Und jetzt schreibe ich dazu einen Leserbrief. Ich wollte mich erst beschweren, aber das lasse ich. Weil ja die meisten Menschen keine Souveränität haben im Entgegennehmen von Beschwerden.