Empörungsarmut

Februar 3, 2011

Ich kann nicht mehr. Erst Tunesien, jetzt Ägypten. Dazwischen die Eier. Und dieses Schulschiff. Ich rege mich nicht mehr auf, weil ich keine Empörung mehr empfinde. Mögen sich andere empören. Gebührend bitte. Ich habe dafür weder Zeit noch Energie. Überhaupt. Skandale erschüttern mich nicht. War schon immer schwierig. Soll nicht oberflächlich klingen, aber immerzu wird eine Sau durchs Dorf getrieben. Wissen Sie noch: Vor Monaten Brüderle, der mehr Weinkenner denn Wirtschaftskenner ist. Oder Westerwelle mit seiner Hybris. Und dann wieder der adelige Verteidigungsminister. Vorher Köhler. Oder der Länderfinanzausgleich. Und zwischendurch Fleisch, Ekeldöner oder Stars, die aus dem Urwald gezerrt werden.
Das reicht für Jahre. Jahrzehnte. Fremdknutschende Promis, vertuschte Spesenrechnungen und ab und zu klemmt meine Heizung, dann müsste ich mich über meinen Vermieter oder mindestens die Organisation der Dienstleistungen empören. Mache ich aber nicht. Ich hatte viel Husten. Vier Tage. Keine Empörung. Arzt, Apotheker, wird schon wieder. Wahrscheinlich bin ich egoistisch. Ist mir aber egal.
Sollen sich andere aufregen. Morgen gibts das nächste Thema. Ist ja nicht so, dass einem was fehlen würde, die Journalie sorgt für Nachschub.