Generation Umhängetasche

April 15, 2010

Moorstedt schreibt: Nie hatte die Jugend mehr Namen als heute – wahr werden sie dadurch aber nicht. Als der Schriftsteller Douglas Coupland 1991 die „Generation X“ ausrief, ahnte er wahrscheinlich nicht, wie viel Verwirrung er damit noch anstiften sollte. 20 Jahre sind seit seiner Schlagwort-Definition vergangen, also die Zeitspanne, die Demographen gemeinhin als den Abstand zwischen zwei Generationen verstehen. Doch wer in dieser Zeit aufwuchs, konnte sich nicht mit einem knackigen X schmücken, sondern wurde von den Medien mit einem Wust von Begriffen überschüttet, die ihn definieren sollten.
Tja, erinnern Sie sich noch, lieber Leser. Wer zwischen 1980 und 1990 geboren wurde, war abwechselnd Mitglied der Generation MTV, Y, Z, @, Doof, Praktikum, Warmduscher, Aldi, Golf, Handy, Benedikt, Facebook, C64, so geht es ewig weiter.
Was soll diese Definitionsgier?

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Um sich selbst

April 14, 2010

Worum gehts? Schauen wir doch mal, was jetzt passiert. Ich meine, wenn ich das hier schreibe: die Heisenbergsche Unschärferelation, Arbeitsteilung früher, die Zeitvorstellung der Maya, die Bedürfnispyramide von Maslow, Personenfragebögen eines Herrn Belbin, einen russischen Revolutionär namens Godijew und die Rolle des Störers in homogenen Gruppen. Fremde Ideen. Oder zusammenhängende Theorie. Können Sie noch folgen?


Timeout statt Burnout

April 9, 2010

Manchmal treffe ich Menschen, die etwas verändern wollen. Meistens treffe ich Menschen, die etwas lassen wollen. So lassen wie es ist. Eine der größten Schwierigkeiten bei der Selbstveränderung liegt darin begründet, dass viele Menschen, die sich in – sagen wir mal – ungünstigen Situationen befinden, paradoxerweise dazu neigen, den Ist-Zustand gegenüber der Veränderung zu bevorzugen. Der Grund dafür liegt nicht zwingend nur in der Bequemlichkeit. Im Gegenteil, es ist oft beeindruckend, wieviel Energie Menschen aufbringen, um einen Zustand beizubehalten, unter dem sie fast „leiden“. Das Neue, Unbekannte ängstigt. Die vertraute Hölle. Sie kennen das. Das unbekannte Himmelreich. Nimmt man den Menschen als Objekt und untersucht seine Eigenschaften in bezug auf Kommunikation, dann erkennen wir: Die kommunikationsrelevanten Eigenschaften des Objektes „Mensch“ sind sein Denken und Fühlen (sie bestimmen die Aufnahme der Kommunikation) sowie sein Handeln beziehungsweise seine Methoden (die wiederum bestimmen die Weitergabe der Information).
Was also muss sich ändern?

Raum und Zeit
sind nicht Zustände,
unter denen wir leben.

Raum und Zeit
sind Denkweisen,
die wir benutzen.

Ich schließe mit Einstein, das ist gehaltvoll.


Die Ewigkeit als i

April 6, 2010

Der Mensch und die digitale Unendlichkeit, auf immer und ewig verschmolzen. Kaufe ich mir ein ipad. Frage. Ich weiß es nicht. Ich habe kein iphone, aber einen Mac. Einen ipod. Klar. Die Firma Apple ist inszenierungsmäßig unerreicht. Aber was ist mit dem Content? Kostenlos oder Bezahle? Bisher nimmt der Web-Mensch gern alles mit. Ohne Geld.
Für das iPad-Abo verlangt das Wall Street Journal nicht weniger als 17.29 Dollar im Monat — mehr als für die Printausgabe, und erheblich mehr als für die schon immer kostenpflichtige Web-Edition. Immerhin kriegen Printabonnenten die iPad-Version vorerst noch kostenlos, aber das Beispiel zeigt, dass in den Chefetagen der Konzerne wohl der Realitätssinn durch all die iPad-Begeisterung etwas abhanden gekommen ist.
Irgendwann wird Google Eintritt nehmen. Es ist ein wenig wie mit den ALDI-Anzeigen in den Tageszeitungen. Sie sind beinahe ein unverzichtbares Gut im Print. Manch ein Leser liest nach den Todesanzeigen und der Wetterkarte die ALDI-Anzeige. Und das ist kein Kulturpessimismus. Nennen wir es Realität.