Sehnsucht nach dem Guten

Februar 23, 2010

Um 16 Uhr wollte ich noch etwas dazu schreiben, dass französische Filme uns immer vorgaukeln, Begierde, nächtelange Debatten über Emotionen, Geschlechtsverkehr und Laternen im Regen hätten was mit dieser Welt zu tun. Und nur so. Und am Ende viel Leiden und Sitzen in einer Küche. Letztendlich steht einer auf und geht ohne die Tür zu schließen. Doch eben musste ich lesen, dass WELT online bereits jetzt zu wissen meint, dass Margot Käßmann nach dem Überfahren einer roten Ampel mit 1,54 Promille nicht mehr im Amt zu halten sei. Gestern Wüst (CDU) in NRW, heute Käßmann, morgen wer auch immer. Alles Spektakel-Deutschland. Irrsin, Medien, die sich selbst auf den Leim gehen. Ein Hype ersetzt den nächsten. Weil niemand den Stillstand erträgt. Niedlich. Gedanklich von geradezu einfacher Niedertracht. Wer ganz lässig Rücktritte fordert, gilt womöglich als toller Journalist. Bullshit. Alles 08/15-Denke. Die Republik braucht was anderes, keine Rücktrittsforderungen. Wir brauchen Menschen, die sich diesem Klamaukzeitalter entgegenstellen.

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Verwirrung – leichte Verwirrung

Februar 17, 2010

Nach diversen Artikeln aus der ZEIT, die ich noch rumliegen hatte, bin ich etwas klüger, was gerade en vogue sein könnte. Indes, die Autoren mehren auch die Verwirrung. Ganz interessant war ein Interview mit Joachim Meyerhoff, schon etwas älter, das ich aus einem Stapel zog. Er fragt mehr als das er Antworten gibt. Das Erfinden sei ein großer Motor der Erinnerung. Freud sagte schon: Wir erinnern uns, um zu vergessen. Und ich bin kein Freud-Fan. Vielleicht ist alles gar nicht so sehr genormt, was man selbst tut. Ich teile Meyerhoffs Einschätzung, wir seien noch nicht zornig genug. Das epische Umkreisen dieser These dürfte allerdings auch keine bahnbrechenden Entdeckungen geistlicher Potenziale bringen. Kennen Sie den Münzentrick von Markus Hoffmann. Der kommt im Herbst nach Bielefeld. Ich denke, er ist mindestens so gut wie Thorsten Havener. Probieren Sie sich also am Münzentrick, auch im Netz auf seiner Homepage zu finden.


Wohlstand sorgt für Verteilungskämpfe

Februar 10, 2010

Kaufen Sie Premium-Pralinen. Besuchen Sie eine Kunstausstellung, die Sie wirklich interessiert. Melden Sie sich zu einer Weinprobe an. Räumen Sie endlich Ihren Kühlschrank auf. Probieren Sie ein anderes Brot. Wenn Sie in den Angst-Bereich kommen, reduzieren Sie den Grad der Herausforderung. Wenn Sie in den Langeweile-Bereich kommen, erhöhen Sie den Grad der Herausforderung. Spezifizieren Sie Ihr Ziel. Steigern Sie die Tätigkeiten, bei denen Sie Feedback erhalten. Schreiben Sie einen Dankesbrief an jemanden, der es wirklich verdient.
Achtung: Die Musik spielt hier.


Was sehen?

Februar 6, 2010

Das Problem mit dem Klassiker.
Folgende Info vorab: Junge Zuschauer tun sich schwer mit
Filmklassikern, die ihnen von Erwachsenen empfohlen
werden. Junge Menschen an diese Filme heranzuführen, ist mitunter anspruchsvoll, wenn nicht sogar schwieriger als die Behandlung von Goethes „Werther“ oder Fontanes „Effi Briest“ im Literaturunterricht. Ich empfehle gerade mal: „JFK“, „Matrix“ und „Einer flog übers Kuckucksnest“.


Wenn Normale verrückt spielen

Februar 6, 2010

Als ich das neulich im Netz fand, dachte ich: „Ja, diese Welt bleibt spannend.“ Wenn Normale verrückt spielen: Gibt es „Normalsein und Irresein“ – und kann man diese beiden Zustände mit absoluter Sicherheit unterscheiden? Diese Frage stellte sich der amerikanische Psychologe David Rosenhan und wagte ein wahrhaft irres Experiment, um sie zu beantworten. Er und sieben weitere geistig gesunde Probanden ließen sich zwischen 1968 und 1972 in insgesamt zwölf verschiedene psychiatrische Kliniken einweisen – alle mit den gleichen Symptomen, die Rosenhan vorher mit Bedacht gewählt hatte, weil sie keinem Krankheitsbild eindeutig zugeordnet werden konnten. Waren die Versuchsteilnehmer dann in der Anstalt, sollten sie sich ganz normal benehmen und versuchen, aus eigener Kraft wieder herauszukommen. Doch obwohl sie keine Anzeichen einer psychischen Störung mehr zeigten, wurden den Scheinpatienten insgesamt rund 2100 Tabletten verabreicht (die sie nicht schluckten, sondern unter der Zunge verbargen). Zudem bekamen sie unterschiedlichste Präparate für genau die gleichen Symptome. Durchschnittlich dauerte es drei Wochen, bis die gesunden Patienten entlassen wurden. Rosenhan selbst verbrachte einmal sogar 52 Tage in einer Klinik. Die Diagnose zur Entlassung lautete in der Regel nicht einmal geheilt, sondern „Schizophrenie in Remission“.